Textilfabrik G. (Teil 2)

Bereits vor einigen Monaten wurde ich auf eine wunderschöne Textilfabrik aufmerksam, die einst eine wichtige Bedeutung in der Region am linken Niederrhein spielte. Aber seit ihrem Ende, im Jahre 2006, spielt diese nun überhaupt keine Rolle mehr und mutierte lange Zeit zu einem Schandfleck in dem Kabelklauer und Menschen mit Zerstörungswut ihr Unwesen trieben. 

Im Gegensatz zum Tochterunternehmen Niedieck in Lobberich stehen hier die Backsteinfabrik mit samt Kesselhaus aus dem Jahre 1886 sowie einige andere Bauteile unter Denkmalschutz. Gut so, denn so bleiben die Geschichten und Erinnerungen rund um die Fabrik, die einst dem Ort O. Ruhm und Ehre einbrachte, erhalten. In einigen Teilen der Fabrik sind bereits Firmenneuansiedlungen zu vermelden. Ein Drittel des 180.000qm2 großen Geländes des früheren Textilherstellers wurde vor einiger Zeit von einem Investor gekauft. Aktuell wird dieser Bereich saniert und soll anschließend vermarktet werden. 

Ich hatte vor wenigen Wochen die Gelegenheit mir das Werk, samt ehemaliger Produktionsstätten und der Zentralverwaltung anzuschauen. Zwar war bereits Vieles ausgeräumt und entsorgt worden, doch es reichte um sich einen Eindruck über die unendliche Größe des einstigen Unternehmens zu machen. 

Zu Teil 1

 

Bis der letzte Ziegel fällt – Abbrucharbeiten bei Niedieck

Etwas mehr als 3 Wochen nach meinem letzten Besuch zieht es mich wieder zurück zur Textilfabrik Niedieck. An den Ort, wo ich sooo tolle Aufnahmen eines ehemaligen Textilgiganten machen konnte. Was ist in der Zwischnezeit passiert? Wie sieht es dort aus? Fragen über Fragen die ich nun geklärt haben wollte!

Staub liegt in der Luft und es ist höllenlaut. Mehrere Bagger und Bulldozer graben sich immer weiter vor … ein ein Großteil des Fabrikgeländes ist bereits abgerissen. Ich bin total erstaunt wie schnell das geht. Aber, bis Anfang März 2014 muss alles erledigt sein, denn die Investoren warten bereits.

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Da ist zum einen die Traurigkeit über den Verlust dieser verlassenen und dennoch schönen und anmutigen Fabrik und zum anderen die Faszination des Abrisses; denn noch nie habe ich so etwas in Real Life gesehen, aber seht selber! … Für Männer werden wahrscheinlich Kinderträume wahr 😉

Am heutigen Tag (12.02.2014) viel nun auch das Wahrzeichen von Lobberich und Umgebung, der große Schornstein!

Textilfabrik Niedieck

Hammer! Mehr als 42.000qm2 Fabrikgelände lagen vor mir und werden bald Geschichte sein. Um genau zu sagen in ca. 4 Wochen. Dann nämlich wird von dem einstigen Textilgiganten Niedieck nicht mehr viel übrig geblieben sein. Mehr als 2 Stunden hab ich dort verbracht und doch noch nicht alles gesehen, schade!

Der Grundstein des ehemals größte Arbeitgeber in L. wurde 1850 durch Julius Niedieck und dem Hausweber Theodor Mommers gegründet. Fünf Jahre später stieg Carl Niedieck ein. Im Jahr 1880 arbeiteten bei Niedieck knapp 2000 Mitarbeiter. Drei Jahre später standen in L. und Umgebung 1200 mechanische Webstühle – 650 waren es im deutlich größeren Krefeld. 1980 expandierte das Unternehmen weiter und der Textilboom schien kaum aufzuhalten zu sein. 2004 ging die Niedieck-Mutter Girmes (Oedt) in Insolvenz. Im Jahr darauf war der Verkauf an die französische Firma Tissavel. Diese jedoch hatte gar nicht vor die Werke zu retten, sondern montierten die Maschinen ab und transportierten sie nach Frankreich – damit war das AUS des einstigen Textilgiganten besiegelt.

Der jetzige Eigentümer des Geländers, die Firma J.H. Laarakkers Rückbau & Recycling GmbH aus Rheinberg, will die Gebäude bis Frühjahr 2014 komplett abgerissen und das Gelände komplett abgetragen haben.