Textilfabrik G. (Teil 2)

Bereits vor einigen Monaten wurde ich auf eine wunderschöne Textilfabrik aufmerksam, die einst eine wichtige Bedeutung in der Region am linken Niederrhein spielte. Aber seit ihrem Ende, im Jahre 2006, spielt diese nun überhaupt keine Rolle mehr und mutierte lange Zeit zu einem Schandfleck in dem Kabelklauer und Menschen mit Zerstörungswut ihr Unwesen trieben. 

Im Gegensatz zum Tochterunternehmen Niedieck in Lobberich stehen hier die Backsteinfabrik mit samt Kesselhaus aus dem Jahre 1886 sowie einige andere Bauteile unter Denkmalschutz. Gut so, denn so bleiben die Geschichten und Erinnerungen rund um die Fabrik, die einst dem Ort O. Ruhm und Ehre einbrachte, erhalten. In einigen Teilen der Fabrik sind bereits Firmenneuansiedlungen zu vermelden. Ein Drittel des 180.000qm2 großen Geländes des früheren Textilherstellers wurde vor einiger Zeit von einem Investor gekauft. Aktuell wird dieser Bereich saniert und soll anschließend vermarktet werden. 

Ich hatte vor wenigen Wochen die Gelegenheit mir das Werk, samt ehemaliger Produktionsstätten und der Zentralverwaltung anzuschauen. Zwar war bereits Vieles ausgeräumt und entsorgt worden, doch es reichte um sich einen Eindruck über die unendliche Größe des einstigen Unternehmens zu machen. 

Zu Teil 1

 

Textilfabrik G. (Teil 1)

Seit dem 17. Jahrhundert ist das Weberhandwerk in O. bezeugt. Im Jahre 1850 wurde zunächst eine Blaufärberei und Berufskleiderfabrik gegründet. 1879 wurde die hier gezeigte Textilfabrik gegründet. Die beiden Textilwerke prägten das Ortsbild, bildeten für viele Jahrzehnte den dominierenden Teil des Wirtschaftslebens und damit der Ortsgeschichte und zählte lange Jahre zu den führenden Spezialisten hochwertiger dreidimensionaler Gewebe und etabliert sich in In- und Ausland gleichermaßen.

Von der einst blühenden Textilwirtschaft ist in O. nicht mehr viel übrig geblieben. Nach dem Konkurs der hier fotografierten Textilfabrik G. und dem Verkauf an eine französische Firma sind die Textilmaschinen demontiert und abtransportiert worden. Der Wasserturm ist eine 45 Meter hohe Stahlkonstruktion, deren Besonderheit die beiden getrennten Wasserbehälter darstellen. Während der untere Wasserbehälter mit einem Volumen von 800 m³ für die Werksversorgung diente, wurde der obere, kleinere Behälter von 175 m³ für die Versorgung der Gemeinde herangezogen.

1989 hatte die Aktiengesellschaft Konkurs anmelden müssen. 2003 kam es dann zur Insolvenz der Nachfolge-GmbH. Die Schulden waren auf knapp 100 Millionen Euro angewachsen. Der Insolvenzverwalter entließ 260 von 727 Mitarbeitern. 2004 kaufte Tissavel die Aktiva, reduzierte die Mitarbeiterzahl im Laufe der Zeit auf 50. 2006 schloß der Firmensitz gänzlich. Teile des alten Fabrikgeländes wurden im Laufe der Jahre durch Firmenneuansiedlungen genutzt, ein Haupttrakt und auch der Wasserturm stehen immer noch leer.

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