Militärgefängnis Patarei – Gefängnis des Schreckens

Man man man! Ich weiß gar nicht wo ich hier anfangen soll, denn dieser Ort ist eine wirkliche Hammerlocation! Bereits am Eingang stockt mir der Atem – so gigantisch, beängstigend und noch so wirklich sieht dieses Gefängnis aus. Es riecht extrem nach altem Schweiß … vielleicht sogar Angstschweiß … nach Tod und Menschen.

Erbaut wurde diese ursprüngliche Festung 1840 auf Anordnung des russischen Herrschers Nikolai I. Ursprünglich als Kanonenbatterie in Betrieb genommen, wurden hier ab 1864 Soldaten stationiert, die die russische Herrschaft über das unterdrückte Estland bewahren sollten. Als Estland 1918 in den Unabhängigkeitskrieg gegen die Russen zog, wurde Patarei dann erstmals als Gefängnis genutzt.

Über 80 Jahre (1918 – 2002) galt die Patarei als das schrecklichste Gefängnis weltweit, bis zu 5000 Menschen wurden dort wie Vieh gehalten. Keiner kennt die genauen Zahlen darüber wie viele Menschen hier in mehr als 80 Jahren Gefängnis-Geschichte gefoltert und deportiert wurden oder gar ums Leben kamen – doch den Horror, der hier geherrscht haben muss, kann man sich auch heute noch problemlos vorstellen. Einzelzellen außen und innen lassen die Folter nur erahnen, die Todeszelle ist allgegenwärtig – 1991 fand hier die letzte Hinrichtung statt. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gefängnis als Arbeits- und auch Konzentrationslager zweckentfremdet.

Das Leiden und die Not der Gefangenen muß unvorstellbar gewesen sein, aber es kam noch schlimmer! Als 1980 die Olympischen Spiele in Moskau stattfanden, wurden die Segelwettbewerbe nach Tallin ausgelagert. Damit aber die Häftlinge in den zur Seeseite gelegenen Zellen keinesfalls irgendwelche Zeichen an die Außenwelt geben konnten, verschloss man ihre Zellenfenster kurzerhand mit Stahlplatten. Danach wurden sie nie wieder entfernt. So herrschte in Patarei 22 Jahre lang (!!!) Dunkelheit. Als das Gefängnis 2002 für immer geschlossen wurde lebten hier noch 1200 Häftlinge.